Bowden-Umbau: Jetzt auch bei meinem Anet A6

Nachdem ich schon einem Bekannten beim Umbau seines Anet A6 auf Bowden bzw. einen Druckkopf mit E3dv6-Klon geholfen habe, ist nun auch endlich mein eigener 3D-Drucker dran. Aus den Erfahrungen konnte ich einige kleine Fehler vermeiden und musste nicht mehr viel ausprobieren. Dafür gibt es jetzt ein Schritt-für-Schritt Tutorial.

Übersicht über das zusätzliche Material:

Ich musste an den roten Bereichen leicht nachfeilen (und auf den jeweils anderen Seite auch).

Gedruckt habe ich den schon bekannten Schlitten für das Hotend und die anderen Teile mit rotem Nunus PETG (nicht, weil dar PLA-Schlitten von meinem Bekannten mittlerweile gebrochen wäre – der hält immer noch super – sondern weil ich das Rot und den Look vom PETG sehr mag). Für den Schlitten habe ich 35% Infill benutzt, für den Rest nur 15%. Da beim letzten Mal der einzuschiebende Halter (J-head_lock) und das obere Ende vom Hotend nicht ganz in den Schlitten gepasst haben, habe ich letzteren mit 101% Skalierung gedruckt und den Halter mit 99%. Ganz ohne Feilen ging es trotzdem nicht. Bevor ihr suchen müsst: Die Vertiefung parallel zu den Schrauben muss etwas größer nach oben und unten gemacht werden. Das Hotend bzw. der Kühler ließ sich mit etwas Gefühl in den Schlitten „eindrehen“, sodass alles richtig saß.

Ebenfalls wieder am Start ist der Bowden-Extruder, den man direkt auf den A6 aufschrauben kann. Damit man das Filament leichter einführen kann, habe ich das Loch auf der Bowdenseite mit einer über dem Feuerzeug erhitzten Nozzle in Trichterform erweitert. Wenn einer von euch das direkt in die stl-Datei einbaut, würde ich gern davon hören. 🙂 Btw, bei meinem Klon war auf der Extruder-Seite ein Bowden-Anschluss mit kleinem Gewinde (1/4 Zoll [6,35mm]) dran, der oben verlinkte Extruder erwartet aber neben dem Motor einen mit großem Gewinde (3/8 Zoll [9,5mm]). Ein paar Bowden-Anschlüsse in beiden Größen vorrätig zu haben, schadet also nicht (vielleicht wollt ihr ja eh eine Drybox fürs Filament bauen? 😉 )

Der Stecker am Thermistor ist bei mir leider nur ein DuPont-Stecker, so dass ich meinen alten Stecker mit einem Stück Kabel recyceln werde (ich habe ein Original Anet-Mainboard). Wenn ihr lieber den Stecker direkt ancrimpen/anlöten wollt, sind die passen Stecker folgende: JST-XH 2,45mm mit 3 Kontakten. Einfacher ist es beim Heizelement. Glücklicherweise sind die Kabel der Heizpatrone etwas dicker ausgefallen als beim Original, so dass ich sie ohne Probleme mit (weißen) Aderendhülsen versehen und in das Mosfet schrauben konnte. Das Lüfterkabel muss verlängert werden. (Das kann je nach Version entweder durch umlöten der Originalleitung oder Verlängerung und Stecker-Recycling geschehen. Ich kam bei meinem Klonlüfter leider nicht an die Lötstelle, so dass für mich diese Option ausfiel). Zusätzlich habe ich mir noch eine Silikonsocke für den Heizblock gegönnt, da es ja beim schnellen Drucken zu Temperaturproblemen kommen kann.

Recyceln ist alles 🙂

Der Bauteillüfter (Radiallüfter, 50x50x15, FAN1), der Motor mitsamt einigen Teilen des Extruders, ein evtl. vorhandener (runder) Autolevel-Sensor, der Zahnriemen, die Linearlager des Originalschlittens, diverse Schrauben und viele Kabel werden weiterhin gebraucht.

Wer aus dem alten Artikel oder aus diesem hier bis jetzt nicht schlau wurde, für den habe ich eine Schritt-für-Schritt-Anleitung mitprotokolliert. (Ich hoffe, dass ich nichts vergessen habe, also lest erst beide Artikel und die folgende Aufzählung. Wenn dann immer noch etwas unklar ist, fragt bitte in den Kommentaren. Und zur Vorsicht: Ich bin weder Elektroniker noch Elektriker, lasst euch im Zweifelsfall lieber von Fachpersonal helfen.)

  1. Filament entfernen (abschneiden oder Coldpull)
  2. Kabelbinder am Zahnriemen entfernen
  3. Schlitten von der Achse nehmen (bei mir ließen sich die Stangen nur sehr schwer bewegen)
  4. beide Lüfter vom Originalschlitten entfernen
  5. ggfs. Bedlevel-Sensor entfernen
  6. Endschalterplatte mit Endschalter entfernen (ihr braucht in der Regel beides nicht zu trennen – später braucht ihr eh wieder beides zusammengeschraubt)
  7. die (kopflose) Schraube zwischen Schlitten und Feder mitsamt ihrer Mutter
  8. Kabel von der alten Heizpatrone und dem alten Thermistor abziehen
  9. ggfs. die Linearlager aus dem alten Schlitten ausbauen (ein passender Inbus war beim Anet A6 dabei)
  10. Neuen Schlitten bestücken
    1. V6-Klon-Hotend inkl. beiliegendem Lüfter
    2. ggfs. Sensor
    3. Lager (Originallinearlager oder 4 Igus-Lager)
    4. Kabel verlegen
    5. Radiallüfter (50x50x15) mit gedrucktem Fanduct
    6. Endstop
    7. Kabel zusammenführen
    8. PTFE-Schlauch ans Hotend anschließen
  11. prüfen ob der neue Thermistor funktioniert, schließlich ist der das sicherheitsrelevanteste Teil am neuen Hotend (könnt ihr natürlich auch schon früher oder erst später machen, aber es gibt nichts Ärgerlicheres als alles fertig zu haben und erst dann zu merken, dass er kaputt ist…)
  12. Neuen Schlitten auf die Achse setzen und Achse wieder fixieren
  13. Zahnriemen befestigen (mit Kabelbindern oder den gedruckten Riemenhaltern)
  14. vor der Hochzeit

    Extrudermotor zusammen- und einbauen

    1. „kopflose“ Schraube einsetzen (Das Inbusgewinde auf der einen Seite passt zu einem beim Anet A6 mitgelieferten Inbusschlüssel. Ich musste einmal mit einer normalen M4-Schraube und „vorbohren“, da hatte ich mehr Kraft als mit einem kleinen Inbusschlüssel.)
    2. Bowden-Anschluss einsetzen (achtet darauf, dass er gerade ist)
    3. Hochzeit! Zwischen die kopflose Schraube und die Schraube auf der anderen Seite kommt die Feder und es wird alles mit zwei M3x18-Schrauben verschraubt
    4. Der Extruder kann nun oben auf den A6 aufgesetzt und mit den schon vorhandenen Rahmenschrauben befestigt werden (beide Seiten des Druckers sind möglich)
  15. Den PTFE-Schlauch auf die richtige Länge kürzen. (Faustregel: So kurz wie möglich, so lang wie nötig.) Der Schlauch darf auch bei Home und der gegenüberliegenden Seite nicht gespannt oder geknickt werden! Ebenfalls darf er bei der höchsten Position der Z-Achse nicht dem Schlitten im Weg sein.
  16. alle Kabel anschließen
  17. Daumen drücken
  18. PID-Tuning nicht vergessen, wenn alles in Ordnung ist

ACHTUNG!!! Wenn ihr vorher schon den Autolevel-Sensor benutzt habt, müsst ihr sehr wahrscheinlich eure Firmware entsprechend anpassen, da der Sensor nun woanders sitzt. Noch wichtiger ist das Z-Offset, was sich mit großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls geändert hat.

– – – – –

Aus dem 30mm-Lüfter wird ein leiser 40mm-Lüfter.

Erfahrungen beim Umbau und danach: Meine X-Wellen waren leider einfach zu krumm für die Igus Drylin-Lager, so dass ich bei den originalen Linearkugellagern geblieben bin. Subjektiv sind sie jetzt etwas lauter. (Vielleicht weil weniger Gewicht drauf lastet?) Für die ersten Tests brauchte ich für das Autoleveling keine neue Firmware, da mein alter Aufbau nicht allzu sehr von der neuen Nozzle-Sensor-Konfiguration abweicht. Ein Upgrade auf Marlin mit den korrekten Werten ist aber geplant. Nach dem ersten Einschalten wurde mir schnell klar, dass der 30×30-Lüfter am Hotend einfach zu laut ist (anders als bei dem letzten verbauten), deshalb habe ich mir direkt einen Adapter für meinen leisen 40x40cm-Lüfter gedruckt. Der war leider etwas zu breit für den 18mm-Sensor, weswegen ich mir schnell ein Zwischenstück auf Tinkercad zusammengeklickt habe. (Leider geht dadurch unter Umständen ein kleiner Teil der Druckfläche flöten.) Das Druckbild gefällt mir sehr gut. Ein wenig Ausprobieren (vor allem mit dem Retract, momentan bin ich bei 2.7mm bei 60mm/s) gehört natürlich dazu.

– – – –

PS: Mal wieder: Das sind alles keine Affiliate-Links, sondern Beispiele. Kauft da, wo es euch passt und was ihr vertreten könnt – am besten natürlich vor Ort.

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