Bowden-Umbau beim Anet A6

In meinem neuen Blogpost zum Bowden-Umbau des A6 findet ihr auch eine Schritt-für-Schritt-Anleitung.

 

Immer wieder liest man über Umbauten beim Anet A8 oder A6 auf „Bowden“. Der Extruder sitzt nicht mehr direkt am Hotend, sondern schiebt das Filament aus einer festen Position heraus durch einen Schlauch zum beweglichen Druckkopf. Der ultimative Vorteil – gerade beim A6 mit seinem schweren Druckkopf ist die Gewichtsersparnis. Die Z-Spindeln verschieben sich nicht mehr so leicht gegeneinander und wenn man Glück hat, kann man deutlich höhere Druckgeschwindigkeiten fahren. Allerdings ist jede Menge Tüfteln angesagt, denn durch den Abstand vom Extrudermotor zum Hotend werden deutlich andere Einstellungen nötig, um zum Beispiel Stringing zu verhindern.

Vorweg: Da das Hotend eines (eher unwissenden) Bekannten hoffnungslos verstopft war und deshalb sowieso ein Austausch anstand, stellten wir uns gemeinsam die Frage: MK8 Hotend bestellen oder den sowieso rumliegenden E3D V6-China-Klon einbauen und dabei ein bisschen Spaß beim Ausprobieren haben. Da ihr diesen Artikel lest dürfte klar sein, dass wir uns für Letzteres entschieden haben. Auch wenn immer wieder vor den V6-Klonen gewarnt wird – unserer funktioniert bis jetzt ganz hervorragend (mal schauen, was die Zukunft bringt).

Auf die Schnelle haben wir diesen Schlitten für die X-Achse gefunden und sind bis jetzt sehr zufrieden gewesen. Einzig eine configuration.h für Marlin und das Autoleveling fehlt im Gesamtkonzept. 😉  Dazu haben wir uns diesen Extrudermotorhalter ausgedruckt und waren mit etwas mehr als 6 Stunden Druckzeit relativ zügig dabei. Der Extrudermotorhalter recycelt das meiste vom Original-Extruder und man braucht keine Extra-Teile kaufen. Vielleicht gibt es bessere Lösungen; der Vorteil von diesem Halter ist auf jeden Fall die möglichst dreckunempfingliche Positionierung der Mechanik und die Befestigung am A6-Gehäuse mit schon vorhandenen Schrauben, der Nachteil das etwas fummelige Einführen des Filaments.

In der Markierung sieht man das vergrößerte Loch und den etwas hervorstehenden Einschub („J-head-lock“). Der Endstop wird übrigens wie beim Standard-Druckkopf mit Acrylplatte angebracht.

Unser China-Klon-Hotend passte nicht hundertprozentig in den Schlitten (oben am Durchlass mussten wir etwas nachfeilen, was entweder am Klon oder an einer etwas zu klein geratenen Aufnahme desselben gelegen haben kann. Deshalb passte auch der „J-head_lock“ nicht bündig in den Schlitten. Ansonsten sind durch die leichte Bauweise an den Seiten Löcher vorhanden, die mehr als ausreichend Platz für Kabel haben. Mit ein bisschen Geschick kann man diese alle auf einer Seite nach oben oder seitlich wegführen, je nachdem, wie sie weiter verlegt werden sollen. Die Lüfterdüse muss ebenfalls neu gedruckt werden, da sonst der Abstand nicht mehr passt. Bei uns war dadurch allerdings auch nur noch eine einzige Ausrichtung des Hotend (bzw. des Heizblocks) möglich, da in allen anderen Positionen die Düse den Heizblock berührte. Durch die zwei Lüfterschrauben ist sogar der Anschluss an eine Schleppkette relativ einfach möglich.

Lüfter, Heizblock, Nozzle und Levelsensor friedlich vereint.

Das Anschließen der Kabel ist dann einfach Standard, zumindest wenn man entweder die Stecker (zumindest für den Termistor) recycelt. Leider sind die Stecker recht schwierig zu bekommen (shop.bohrers.de müsste welche haben), im Notfall passen aber auch (die meist mitgelieferten und angecrimpten) Dupont-Stecker auf die Anschlüsse. Die sitzen halt nur nicht ganz so fest, wie die Originalstecker. Gerade beim Termistor kann das je nach verwendeter Firmware gefährlich werden.

In den Schlitten passten nach ein wenig feilen wunderbar die Igus- und die Linearkugellager, ohne auf das verwendete PLA zu viel Druck auszuüben.

PLA oder PETG? Auch nach 4 Stunden Dauerdrucken und 3 Tagen immer wieder mal drucken konnte ich keine Veränderungen am Schlitten feststellen, sodass ich bis auf weiteres (Janbex)PLA für tauglich halte. Insgesamt war der Umbau in ein paar Stunden erledigt. Abgesehen von schwierig zu beschaffenden Steckern (und der dadurch notwendigen Wiederverwertung von Kabel-Stecker-Kombinationen) war die Umrüstung simpel. Allerdings fanden wir es beim Umbau sehr beruhigend, dass wir einen zweiten Anet A6 im Raum hatten, auf dem wir beim Umbau kaputt gegangene Teile erneut drucken konnten (die Halterung für den Sensor) und ggfs. nicht passende Teile hätten austauschen können.

Erstaunt hat mich die geringe Lautstärke des kleinen Lüfters am Kühler. Eine kleine Anmerkung: An komplizierten Stellen bei einem Modell druckte der Bowden deutlich besser als mein eigener Directdrive-Extruder. Ob das an den leicht anderen Einstellungen (z.B. Retractlänge und -geschwindigkeit*) liegt oder wirklich an der anderen Technik konnte ich noch nicht austesten. Ich bin gespannt auf die weiteren Erfahrungen.

——

*In Cura habe ich recht gute Ergebnisse mit einem Retract von 5mm und 100 mm/s Retractgeschwingkeit erreicht, hatte aber keine Zeit mehr am Drucker für weitere Tests.

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12 Kommentare zu „Bowden-Umbau beim Anet A6

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    1. Danke! Auf dem Drucker läuft momentan Skynet3D 2.3.2, aber sobald mein Bekannter und ich Zeit haben kommt Marlin 1.1.6 drauf (der Drucker mag nämlich im Moment nicht mit Octoprint sprechen…). Der Autolevel-Sensor ist auch noch nicht in Betrieb, mal schauen, wann wir das schaffen.

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  1. Ich habe noch Skynet3D 2.3.1 drauf will aber auch auf Marlin 1.1.6 wechseln, komme aber ab Arduino Verify nicht weiter, falls ihr also Marlin geflasht bekommt, lasst mal hören, was ihr gemacht habt!
    Den Autolevel Senser habe ich ich in Betrieb und bei mir läuft auch Octoprint einwandfrei. Habt ihr ein Pid Tuning nach dem Umbau vorgenommen? Und musstet ihr die Configuration.h anpassen wegen dem neuen Thermistor am Hotend?

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    1. Ich werde auf jeden Fall berichten vom Marlin-flashen. Denn bis jetzt habe ich keine Standard-configuration.h für den A6 gefunden. Außerdem habe ich den Autolevel-Sensor noch nicht vermessen. Da das für andere hilfreich sein könnte (und im Zweifelsfall für mich selbst zu einem späteren Zeitpunkt) wird es dann irgendwann hier landen.
      Nein, zum PID-Tunen sind wir aus Zeitnot noch nicht gekommen. Und in der configuration.h wüsste ich auf Anhieb nicht, was wir da hätten ändern sollen (mal abgesehen von einem Offset, was aber auch nachträglich per Konsole gehen sollte. Bei uns war das aber nicht nötig.)

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      1. GANZ WICHTIG: Ich habe ein anderes Ritzel an den Motor der X-Achse gebaut, daher andere Stepper Settings. Der Paramter DEFAULT_AXIS_STEPS_PER_UNIT hat bei mir folgenden Wert: {80, 100, 400, 95} er müsste bei euch vermutlich {100, 100, 400, 95} (erster Parameter 100 statt 80) lauten.

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      2. Ja da habe ich eine. https://github.com/s256/Anet-A6/tree/master/Marlin-1.1.6/Marlin – hier findest du meine Configuration.h und Configuration_adv.h. Das git repo ist in exakt dieser Form bei mir im Einsatz. Nur noch kompilieren und ab dafür. Nach dem flashen PID Tuning nicht vergessen. Und die Position für den Autolevel-Senser (Z-Probe-Offset) anpassen! sonst misst er evnt außerhalb vom Feld, ich habe nicht den selben Schlitten wie ihr im Einsatz. Ich schaue jetzt, dass ich UBL ans fliegen bekomme.

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